Samstag, 30. November 2013

Die Müllabfuhr kommt!

Wofür zahle ich eigentlich Hundesteuer? Man könnte ja meinen, dass die Stadt als Gegenleistung für diesen Obulus (jaja, ich weiß, Steuern dürfen rein rechtlich gesehen keine Geenleistung bieten, wie schön, dass man die Grundlagen seiner Asbildung nie vergisst) den Hunden und ihren Besitzern wenigstens ansprechende Freilaufgebiete zur Verfügung stellt.

Ich gebe es ja zu, Ares-Vin und ich, wir haben ja Glück direkt neben einem Park mit Freilauffläche zu wohnen, aber ansonsten sieh es hier in Bonn mit solchen Gebieten eher mau aus.
Und bisher gab es immerhin auch einige Aufsteller der Stadt, aus denen man als Hundebesitzer sich einen Gratiskotbeutel entnehmen konnte, was ganz praktisch ist, wenn man mal vergessen hat welche mitzunehmen.

Was passiert 2014? Da spart die Stadt Bonn doch glatt die Kotbeutel ein! Als Sparmaßnahme! Sind die des Wahnsinns? Bei fast zwei Milliarden Euro Schulden bezweifele ich doch sehr das Einsparpotenzial durch Plastikkotbeutel. Ich meine, aus Platin scheinen die mir eigentlich nicht hergestellt zu sein. Dem Schlaukopf hingegen, der sich diese Einsparung ausgedacht hat, empfehle ich doch mal gegenzurechnen, wieviel mehr Reinigungsaufwand die Straßenreinigung haben wird durch nicht mehr weggemachte Hundehaufen ...

Eigentlich müßte die Rechnung sogar völlig umgekehrt lauten: Ares-Vin sollte von der Straßenreinigung ein Gehalt bekommen. Es ist nämlich so, dass mein Berner Sennenhund nicht nur einen ausgesprochenen Sammelfimmel hat (wenn es Hundenerds gibt, dann ist Ares sowas wie der Sheldon Cooper der Hunde, ihr hättet mal seine Stöckchensammlung letztes ja sehen sollen), nein, er hasst es auch, wenn er in der Natur Müll herumliegen sieht:


Einer muss es ja wegräumen ...


Wenn ich den Spacko erwische der das weggeworfen hat, dem beiß ich in den A....



Denkt Ihr nicht auch: Dieser Hund hat ein Gehalt als Müllwerker verdient? Ich überlege schon, ob ich ihm für sein Geschirr einen schönen "BonnOrange"-Sticker drucken lasse.


Donnerstag, 21. November 2013

`Die Bank Raub´- Sätze für die Ewigkeit

Der Versuch der Rezension einer Leseprobe



Gary Whitmore, ich verneige mich vor Dir. Nichts könnte für einen Nicht-Muttersprachler schwieriger sein, als Bücher in einer anderen Landessprache zu schreiben.
Sicher, es könnte möglicherweise einige skrupellose Leute geben, die sich einfach denken:
Hey, meine dahingerotzten ebooks könnte ich doch einfach durch den Google-Übersetzer jagen und dann im jeweiligen Land in den Amazonstore reinkloppen, mal schauen wieviele Spacken darauf reinfallen.

Doch Gary Whitmores Werk ist fernab jeglichen Könnens und einfach superdreist solcher Verdächtigungen.

Exemplarisch möchte ich dazu heute die Leseprobe seines ebooks "Die Bank Raub" vorstellen (leider hatte ich gerade keine, ähem, 89 Cent übrig, aber ich werde ganz doll drauf hinsparen, ich versprechs, Gary).

Alleine der Titel macht eindeutig klar, dass uns hier der letzte Scheissendreck kein simpler Thriller serviert wird, sondern ein sozialkritisch geprägtes Opus!
  • Durch die Verwendung eines nur auf den ersten, oberflächlichen Blick hin, falschen Artikels, zeigt sich Whitmores Intention, auf den immer dramatischer werdenden Genderkonflikt hinzuweisen! Viel zu oft, wird ein Bankraub als etwas männliches dargestellt, "der Bankraub", so wird es landauf, land ab in den Medien bezeichnet. Dabei heißt es doch "das Verbrechen". Wenn ein Verbrechen jedoch etwas geschlechtsspezifisch neutrales ist, müsste es dann nicht auch "das Bankraub" heißen? Mit der genialen Überspitzung hin zu einer weiblichen Form des Überfalls auf ein Geldinstitut prangert Whitmore entschieden die Männlichisierung der Kriminalität auf subtile Art und Weise an!
  • Auch scheint sich eine brilliante Form der Anspielung auf eine der erfolgreichsten Filmreihen aller Zeiten hinter diesem so unscheinbar wirkenden Buchtitel zu verbergen. Der Connaisseur der Aktionsfilme wird sofort die Anspielung auf die "Die Hard" (Stirb Langsam) - Reihe erkennen. "Die Bank Raub", also zu ganz deutsch "Stirb, Bank raub" ist eine klare Absage an den Raubüberfall. Du hast keine Chance mehr, lieber Bankraub, du wirst sterben so wie meine Gehirnzellen beim Lesen von Gary Whitmores Abzockerkacke!

Und schon die Kurzzusammenfassung verspricht großartiges:

"Ein Aussenseiter Sehnsucht nach Ehe wird ein Flüchtling, nachdem er unwissentlich eine Bank ausraubt für seine neue Liebe Interesse dann klinkt sich mit einem Biker Chick, wo sie diese andere Frau und ihr Freund jagen, um sie verhaften lassen, seinen Namen reinzuwaschen. Aber es stellt sich heraus, dass dieses Mädchen auch betrogen seinem alten College-Freunde einschließlich der Bruder dieses biker chick. Sie gehen auf ein Abenteuer, dieses Mädchen und ihr Freund zu stoppen und speichern Sie alle von einem langen Leben hinter Gittern."

Betrüger hinter Gittern zu speichern - ich bin mir sicher, Gary Whitmore versteht etwas von diesem Konzept.

Ein Blick in die kostenlose Leseprobe enttäuscht nicht:

`Der Schrank von Wallys Bett war leer und ein gepackten Koffer saß auf dem Boden. Er war bereit nach Hause zu gehen.´
  • Hier zeigt sich eine von Whitmores größten Stärken: Genreübergreifend zu arbeiten, wenn es sein muss! Lapidar bringt der Autor hier ein Fantasyelement in die bisher so realistisch geschilderte Thrillerhandlung. Wo wohl das zu Hause des Koffers ist? Wird er lange dorthin gehen müssen? Hat der Koffer Füße, so wie die Truhe bei Terry Pratchett?
  • Auch Wallys Bett scheint ein interessantes Eigenleben zu führen, denn ofensichtlich ist das Bett Eigentümer des Schranks. Dass so viele Gegenstände von Wally ´lebendig´sind kann doch kein Zufall sein! 
Achtung! Die nun folgende Passage ist nichts für zarte Gemüter!

`Dann Joey bemerkte einen riesigen weißen Kopf Pickel am Kinn.Er fing an, es knallen, sondern zog seine Hand weg, als er, wenn er es knallte, es könnte eine Akne Narbe hinterlassen erinnerte. Er nahm eine Tube Clearasil aus dem Medizinschrank. Er öffnete sie und schmierte Clearasil auf die unansehnliche Pickel. Joey ging aus dem Bad mit dem Rohr von Claerasil in der Hand und trat in seinem Zimmer im Studentenwohnheim. Er warf den Schlauch von Clearasil und er landete in seinem offenen Koffer.´
  • erst Fantasy, dann auf einmal, ohne jegliche Vorwarnung Horror! Das Bild eines gigantischen Kopfes, der aus Joeys Kinn herausragt, werde ich wohl nie mehr vergessen können.
  • Doch damit nicht genug, jetzt kommt auch noch eine auto-erotische Komponente ins Spiel: Joey knallt erst seinen eigenen Kopfpickel, wobei ich mir anatomisch nicht ganz im klaren bin, wie er dies bewerkstelligt. Und dann verlässt er das Badezimmer mit einem durch Clearasil ausgelösten Ständer. Interessant, Clearasil als Potenzmittel, mir scheint, als hat Whitmore ganz nebenbei eine aufsehenerregende (im warsten Sinne des Wortes) Entdeckung gemacht!
  • natürlich darf auch der herumrennede Koffer nicht fehlen, der wahrscheinlich wie ein Hündchen wild hin- und herläuft und nur darauf wartet, den Clearasilschlauch zu fangen
 Wem es bis jetzt noch nicht klargeworden ist, dass Gary Whitmore der neue Meister für subtile Erotik ist, der wird spätestens nach folgender Passage neu erleuchtet aufmerken:

´Sie ging hinüber und griff nach einem Handtuch von der Stange über der Toilette. Und trocknete ihr Haar, als sie vor dem Spiegel stand und sah ihren nackten Körper über. Sie rieb sich die frechen A-Cup Brüste. "Wann werden sie mit Milch zu füllen?" fragte sie sich, vor sich hin. Sie drehte sich zur Seite und schaute in den Spiegel, als sie ihre schwangere, sackartigen Bauch gerieben.´
  • Mal ehrlich, ganz unter uns: Welche Frau träumt nicht auch davon, sich ihre Brüste mit Milch zu füllen und einen sackartigen Bauch zu bekommen?

Ich könnte noch stundenlang so weitermachen, aber ich könnte nur noch kotzen doch ich möchte den vielen neuen Lesern, die Whitmores, jetzt schon zum Literaturklassiker avanciertes, Epos unvoreingenommen entdecken können, den Spaß nicht verderben.

Verzagt nicht, liebe Leser - zum Glück gibt es noch so viel schönes von Gary Whitmore:

Weitere ebooks von Gary Whitmore, über die ich demnächst schreiben werde (wenn ich die Zwangsjacke wieder abgenommen bekomme):

Gary, ganz ehrlich: selbst wenn ich mir drei Kilo Koks in einem Zug durch die Nase ziehe, fallen mir solche wunderschönen Buchtitel nicht ein. Du bist ein Idiot ein neuer Stern am Himmel der Leute-Beschiss-Literatur!

Wer ist eigentlich dieser bekloppte dieser aufstrebende Literaturnewcomer Gary Whitmore?, höre ich den verzückten Literaturfan fragen. Nun, der Autor sagt über sich:

Gary Whitmore wurde 1956 in Casablanca geboren, während sein Vater dort in der US Army stationiert war. Im Anschluß an die High School ging Gary zur Air Force. nachdem er dort 1978 ausschied, ging Gary zum Delaware Technical & Community College in Newark, Delaware. 1980 besuchete Gary die University of Central Florida mit Abschluß 1982. 1983 begann Gary am Space Shuttle Programm im Kennedy Space Center in Florida zu arbeiten, bis zum Ende des Suttle Programms 2011.
2003 entwickelte Gary Interesse am Schreiben von Drehbüchern und hat Stand 2011 über 20 Drehbücher verfasst.

Und da sag noch einer, aus Hollywood käme nur noch Müll ...

Dienstag, 19. November 2013

Für welchen Mitteln ein Mensch fähig ist - Rezension einer Buchrückseite (`Der Verräter´ von Simone Kaplan)




Heute, liebe Leser, möchte ich eine Buchrückseite besprechen. Ihr kennt das, wenn mit nur ein paar knappen Sätzen eure Phantasie unendlich angeregt wird? Wenn ihr alle euch drängenden Aufgaben einfach vergesst und Ihr euch einfach nur in Omas gemütlichen Ohrensessel schmiegen wollt und endlich mit dem schmökern dieses neuen, euch noch unbekannten Werks beginnen wollt, ihm richtig entgegenfiebert?
Dann lest um gotteswillen nicht die RückseiteDann geht es euch so wie mir mit Simone Kaplans Rückseitentext zu "Der Verräter".

So, ich sitze schon in Omas Ohrensessel (warum heißt das eigentlich Ohrensessel? Wurde das Leder aus tausenden abgeschnittener Ohren hergestellt? Können die mich hören, wenn ich was sage, während ich hier sitze? Hilfe.) Moment, ich hol mir grad noch eine Flasche Doppelkorn eine schöne Tasse Pfefferminztee, dann gehts los:

Diese hoffnungsvolle Jungautorin (seit 2012 erst über 30 Bücher verfasst, aber dies nährt Hoffnung: wenn ich noch 40 Jahre lebe, kann ich statistisch gesehen, wenn Kaplan in dem Tempo weitermacht, noch über 600 Bücher von ihr lesen) hat mich jedenfalls mit der Zusammenfassung zu ihrem Thriller richtig in den Bann gezogen.

Der Einstieg ist noch vergleichsweise zahm, wirft aber dennoch bereits zahllose Fragen auf:

"Zack 32 Jahre zieht wegen eines interessanten Jobangebot von Boston nach New York. Dort lernt er Steve kennen und freundet sich mit ihm an."
  • hat Kaplans Thriller auch Science-Fiction Elemente? Der Name Zack 32 deutet stark darauf hin! Viellecht ein Klon? Oder ein Roboter? Ich liebe Roboter. Aber der Nachnahme `Jahre´ deutet doch auf eine menschliche Komponente hin. Vielleicht geklonte MenschRoboter-Hybriden!
  • leicht enttäuscht bin ich darüber, dass sich Kaplan für das viel zu oft verwendete Klischee des `interessanten Jobangebots´ entschieden hat. Für ein uninteressantes Jobangebot umzuziehen, das wäre mal was. Aber schon hier wird klar, dass Zack 32 Jahre ein furchtloser, mutiger Visionär sein muss. Wenn man nur für ein Angebot direkt umzieht, muss man einfach Mumm in der Buxe haben, ich hingegen bin so in der Notwendigkeit monetärer Abhängigkeit verwurzelt, dass ich mich nur bei einem bereits von beiden Seiten unterschriebenen Arbeitsvertrag bei einem Umzugsunternehmen vorstellen würde. Aber was weiß ich schon vom echten Leben.
  • Steve scheint offensiichtlich kein Menschroboterhybrid zu sein. Einerseits schade, denn ich liebe Roboter, andererseits deutet sich hier bereits eine mögliche Konfrontation zwischen Mensch und Menschhybridroboter an. Spannend.
  • das Weglassen des genitivus qualitatis macht bereits mit dem ersten Satz unmissverständlich klar: Kaplan ist bereit, radikal mit jeder Regel zu brechen, wenn es gilt, ausgetrampelte Pfade der SchundTrivialliteratur zu brechen!  
 "Als Steve nach der Trennung mit seiner ersten Liebe ein packender Thriller darüber schreibt ist Steve überhaupt nicht begeistert davon."
  •  Aha! Steve hat sich von Zack 32 Jahre nach kurzer Zeit schon wieder getrennt? Und um diese traumatische Trennung zu verarbeiten, schreibt Steve zusammen mit seiner ersten Liebe (DEN Anruf würde ich gerne persönlich miterleben: "Ähm .. hallo, hier ist Steve, du weißt schon, der von damals, vor dreißig Jahren, in der Grundschule. Genau, der dem du eine geklebt hast, nachdem er dich versucht hat auf dem Spielplatz ... Also jedenfalls, ich hatte einen neuen Freund, aber von dem habe ich mich getrennt, weißt du, ich kam mit meiner neu entdeckten Homosexualität einfach nicht so gut klar, und weil da echt total viele spannende Dinge passiert sind bei der Trennung, möchte ich einen packender Thriller darüber schreiben! Wie, es heißt `packenden Thriller´? Das ist mein Buch, ich mach die Rechtschreibung und du schreibst über das Mädchenzeug darin und so.")
  • Steve scheint das Schreiben eines Thrillers nicht gut bekommen zu sein, denn er ist selbst nicht davon begeistert, dass er einen packender Thriller geschrieben hat. Entweder ist Steve schizophren oder er ist doch auch ein MenschRoboterhybrid - die menschliche, emotionale Seite versucht die Trennung zu verarbeiten, während die sachlich-robotische Seite dies kategorisch ablehnt. Hoffentlich ist es die zweite Variante, ich mag Bücher mit Robotern.

"Neidisch muss er feststellen dass Zack ein Ausnahmetalent ist im Schreiben. Während seine Werke eher auf dem Grund des Meeres liegen."

  • Ja, Ausnahmetalente im Schreiben sind rar. Nur wenige Auserwählte können ca. 15 Bücher im Jahr veröffentlichen. Mag Zack auch Kaplansche Qualitäten aufweisen, Steve hingegen scheint wohl nur, immerhin packende, Thriller schreiben zu können.  Auf jeden Fall scheint auch Steve sehr produktiv zu sein, wenns auch nur für Fischfutter reicht.
  • Hat Kaplan hier einen Skandal in der Literaturszene aufgedeckt? Es scheint, als gäbe es einen Geheimbund oder eine Gruppierung oder was auch immer, die packende Thriller uns Lesern vorenthält und diese auf dem Meeresboden entsorgt! Ich weiß nicht was schlimmer ist, die Vorstellung, dass Bücherverbrennung durch Bücherversenkung abgelöst wurde, oder dass die Meeresfische in Zukunft nicht an Verschmutzung sondern an Legasthenie erkranken.

"Auch im Job hat Zack die Nase vorn. Als Zack ihm wegen seines Thrillers vertrauensvoll um Rat bittet schmiedet Steve einen Racheplan .....der Zack bis an die Grenze des Verstandes bringt!"
  • Dass die Autorin etwas von den Grenzen des Verstandes ... äh ... versteht, dürfte klar sein. Eine Wahnsinnige schreibt einen Thiller  über jemand, der einen Thriller schreibt und damit jemand so rachsüchtig macht, dass dieser den (fiktiven) Thrillerautor wahnsinnig macht. Irgendwie macht mich alleine schon dieser Rückseitentext selbst wahnsinnig, herrlich! So spielt man mit Metaebenen, Kaplan zeigt damit allen Möchtegernthrillerautoren wo es langgeht (in die Irrenanstalt)!
  •  In welchem Job mag Zack wohl die Nase vorn haben? Als Reiniger im Ameisenbärgehege? Dann wäre Zack wirklich ein Tausendsassa.
  • Kommt hier eine autobiographische Komponente ins Spiel? Verarbeitet Kaplan vielleicht selbst ein eigenes traumatisches Erlebnis, nachdem sie jemanden wegen eines Thrillers vertrauensvoll um Rat gefragt hat? Ich könnte mir vorstellen, dass Kaplan vom Thema "rachsüchtiger Leser" so einiges versteht.
  • Also: Zack hat sich mit Steve angefreudnet. Steve schreibt einen packender Thriller. Dann fragt ihm Zack wegen seines eigenen Thrillers um Rat, woraufhin Steve einen Racheplan schmiedet. Sehe nur ich hier Grundzüge einer dadaistisch-anarchischen Handlungsstruktur?
"Was machst du ,wenn dein bester Freund in Wahrheit dein größter Feind ist?"
  • Wer von uns hat sich in der ein oder anderen Form diese Frage nicht auch schon gestellt: Was machst du, wenn dein neues Thrillerebook eine unglaublich schlechte, orthografisch pervertierte Grütze ist? Was machst du, wenn dir keiner deiner Testleser sagst, dass du lieber Straßenbauarbeiter oder Kükensortierer werden solltest, anstatt Autor?
  • Gibt es einen größeren Feind als die Kommasetzung?
"Für welchen Mitteln ein Mensch fähig ist, wenn er blind vor Neid und Rachsucht ist um das geht es in dem Thriller `Der Verräter´"
  • Im letzten Satz das größte Kleinod: Mit grandioser poetischer Kraft hebelt Kaplan erneut lapidare grammatikalische Regeln auf. Wie in einem gewaltigen Gedicht, gegen das Shakespeares "Der Sturm" wie der erste Schulaufsatz eines legasthenischen Kindes, dem man vier Wochen sein Ritalin entzogen hat, wirkt, stimmt uns Kaplan ein auf die grundlegenden Themen von "Der Verräter", nämlich Grammatik und Selbstüberschätzung, nämlich Neid und Rachsucht.
Und so schließe ich meine Rückentextbeschreibung mit dem Aufruf an alle Leser: Geht hin und mehret euch lest, verarbeitet und verinnerlicht dieses Werk.

Für welchen Mitteln seit Ihr fähig, dem Oevre Simone Kaplans noch zu widerstehen? Ich nicht, von nun an hat Simone einen neuen Fan.

Mittwoch, 13. November 2013

Filmperle: Idiocracy

Die Menschheit verblödet


 Idiocracy - Plakat/Cover

Handlung:
Ein Durchschnittsamerikaner wird zusammen mit einer Prostituiten mehr oder weniger versehentlich für 500 Jahre eingeschläfert. Als sie aufwachen, stellen sie fest, dass die gesamte Menschheit verblödet ist und sie die intelligentesten Menschen der Welt sind.

Für weitere Einzelheiten: Wikipedia
(ich persönlich möchte vor einem Film, den ich nicht kenne möglichst wenig von der eigentlichen Handlung wissen).

Ich liebe Satire. Gute Satire ist meiner Meinung nach bösartig, gandenlos, und darf auch manchmal gerne, je nach Thema, mit dem Dampfhammer umherschlagen.

Idiocracy ist eine leider völlig unter dem Radar geflogene Filmsatire, die viel mehr Aufmerksamkeit verdient hätte. Jeder Misanthrop sollte an diesem Film seine wahre (Un)-Freude haben. Oder jeder, der die Meinung vertritt, dass sich nur noch die Blöden ungehemmt vermehren, die Intelligenten hingegen aussterben.
Dies ist, zumindest oberflächlich, die Grundhypothese des Films, doch eigentlich prangern Drehbuchautor Etan Cohen und Regissseur Mike Judge ein ganz anderes Problem an: Nicht die vermeintlich höhere Reproduktionsrate der Unterschicht führt zu einer zunehmenden Verblödung der Menschheit. Es ist velmehr die Dauerberieselung durch Werbung, unsere Selbstgeisselung durch unsere totale Unterwürfigkeit gegenüber dem Kapitalismus, die dazu führen wird, dass wir in 500 Jahren nicht mehr wissen werden, dass man Getreidefelder nicht mit Softdrinks bewässern kann (die haben doch Elektrolyte!).

Idiocracy ist 2006 erschienen, noch bevor die Finanzkrise das erstemal so richtig zugeschlagen hat. Leider waren die Filmemacher somit ihrer Zeit ein paar Jahre zu weit voraus. Ich würde jede Wette eingehen, dass der Film, erschiene er heute, wie eine Bombe einschlagen würde.
 
Also: Speziell für Tage, an denen man sich mal wieder so richtig aufgeregt hat, mit was für verblödender Werbung wir zugeballert werden, wie Politiker die hanebüchesten Dinge ungestraft in jede Kamera sagen dürfen (ich sage hier nur: Idiocracys Präsident Camacho, Wrestler und Erwachsenenfilmdarsteller), ist dieser Film genau das richtige. Zugegeben, manchmal sind die Dialoge etwas derbe-obszön, darauf hätten die Filmemacher gerne verzichten können.

Und dennoch trifft Idiocracy zumindest mein Humorzentrum mitten ins Schwarze. Ich habe seitdem keinen Softdrink mit Elektrolyten mehr angerührt. 

Montag, 11. November 2013

9mm - Gratis ebook



Wie das meistens so ist mit Wettbewerben - meistens verliert man, oder die anderen gewinnen. Also, liebe Leser, meine Kurzgeschichte "9mm" ist leider nicht prämiert worden, und ich weiß nicht, ob das etwas über ihre Qualität aussagt.

Ich selbst finde sie ganz ok, auf jeden Fall nicht so schlecht, dass ich sie in meinem Garten verscharre.
Daher habe ich mich entschieden, sie als kostenloses ebook hier auf meinem Blog zum Download anzubieten. Auf diese Art und Weise konnte ich ein wenig mit Coverdesign und Ebookformatierung rumspielen und bekomme hoffentlich einiges an Feedback von meinen Lesern. Also los, Emails, Kommentare - gebts mir so richtig.

Eine kurze Info noch zum Umfang der Kurzgeschichte beziehungsweise zu den Vorgaben des Wettbewerbs: Eingereicht werden durften Geschichten mit maximal 10.000 Wörtern. Ziemlich wenig, wenn man noch eine Handlung haben möchte.
Das Thema lautete "Besser geht`s nicht".
Was mir dazu einfiel (außer Jack Nicholson)? Natürlich eine Handfeuerwaffe!

Hier die Downloads (per Dropbox, anklicken und der Download müßte starten, wenn nicht bitte schickt mir mal eine Mail damit ich da dran rumschrauben kann):

9mm als Mobi
9mm als epub


Donnerstag, 7. November 2013

Drive und die Gewalt

 Neulich habe ich mal wieder einen Film gesehen, der mich auch Tage und Wochen danach noch beschäftigt. Wunderbar, ich liebe es wenn das passiert.
Ich habe ihn im Kino verpasst und die BluRay ist auch schon länger draussen, aber irgendwie hatte ich den Film nicht so richtig auf meiner NochzuGucken-Liste.


http://www.beat-the-fish.de/wp-content/uploads/2012/02/drive_ch.jpg



So müssen Filme sein: Ein pefektes Zusammenspiel von Optik (fantastische Bilder), Soundtrack (während ich dies schreibe, läuft gerade Nightcall) und darstellerischen Leistungen. Oberflächlich betrachtet, wird eine ganz einfache Geschichte Raub- und Rachegeschichte erzählt. Was mich aber fasziniert hat, ist das, was unter der Oberfläche des Drivers brodelt. Selten fand ich es so perfekt dargestellt, wie es unter einem nach außen hin extrem ruhigen, stoischen Menschen vor Gewalt nur so brodeln kann.

Ich bin nun wirklich kein Gegner von Gewalt in Filmen, Ich weiß gute und auch schlechte Actionfilme sehr zu schätzen, ebenso Thriller, Gangster,- und Rachefilme.

Was Drive meiner Meinung nach sehr aber deutlich von anderen Filmen aus diesen Genres unterscheidet, ist die Wirkung die dieser Film auf mich hatte. Die Kombination aus vielen langen, ruhigen Einstellungen, wenigen Dialogen, schönen Bildern und hypnotischer Musik lullt einen fast ein wie in einem schönen Traum, aus dem man jäh mit Anlauf getreten wird, mitten in den Kopf.
Die Gewaltszenen empfand ich als sehr krass, und ich habe schon einige gesehen in meinem Flimzuschauerleben. Im ersten Moment habe ich gedacht: Muss das so hart sein? Ist das nicht eine Spur zu weit? Doch genau diese Wirkung ist doch die richtige (hier): So wie die Gewalt hier gezeigt wird, ist sie abschreckend. Die Abgründe im Charakter des Driver werden dem Zuschauer so genau vor Augen geführt. Das, was er tut, ist kein Spaß, jede Handlung hat ihre zum Teil fürchterlichen Konsequenzen.

Und genau so muss es sein. Meiner Meinung nach wird Gewalt in Film und Fernsehen viel zu oft trivialisiert. Wenn in der x-ten Fernsehserie Leute mit kleinen Einschusstellen einfach umfallen, nimmt man als Zuschauer doch gar nicht mehr bewusst wahr, was da passiert ist: Ein Menschenleben wurde für immer genommen, mit Schmerzen, Blut und allem was dazugehört. Ganz schlimm war das früher beim A-Team: 4 Flüchtige schießen permanent mit automatischen Gewehren herum und nie wird irgendein Mensch auch nur getroffen. So verharmlost man Waffen. Früher wäre ich auch gerne wie Hannibal rumgelaufen mit Zigarre im Mund und Sturmgewehr im Anschlag.

Nach DRIVE möchte ich nicht mal ein Messer in der Tasche tragen geschweige denn feste Stiefel tragen oder mit jemand anderem in einem Aufzug fahren.

Montag, 4. November 2013

Herbstspaziergangsgedanken

Ares-Vin geht schon mal vor


Ist die deutsche Sprache nicht herrlich? Ich meine einmal gehört zu haben, dass es keine andere Sprache in der Welt gibt, in der man Hauptwörter so schön ungegrenzt aneinanderklatschen kann wie im Deutschen. Donaudampffschiffahrtskapitänsmützenrandabstandshalternadelhersteller, oder auch Herbstspaziergangsgedanken.
Die kommen mir im Moment nämlich reichlich, denn es ist Herbst und dank Hund muss ich auch immer raus, egal wie bäh ich es auch finde.
Ich gebe ja zu, ich nerve das ganze Jahr über mein Umfeld mit meinen Empfindungen gegenüber den Jahreszeiten, denn grundsätzlich hasse ich jede Jahreszeit!

Der Sommer ist mir zu heiß.
Der Frühling zu naß und für Allergiker eine wahre Pein.
Der Winter ist mir zu kalt.
Und der Herbst ist mir zu naß und schmuddelig.

Wenn es im Sommer heiß ist, rufe ich des öfteren aus, dass ich mir en regnerischen Herbst herbeisehne. Wenn ich mal wieder im Schneechaosstau stehe, dann kann der Sommer gar nicht schnell genug kommen. Und so weiter und so weiter. Ich kokettiere gerne damit, ein Misanthrop zu sein.

Aber, jetzt mal ganz unter uns, nach einer Woche voller besonders vieler nasser, schlammiger und klammer Spaziergänge:

Der Herbst ist schön! Ares-Vin läuft viel beschwingter über den Acker als im Hochsommer und schlammverschmiert hat er einfach mehr Spaß. Ich mag die bunten Blätter, wie sie dichte Teppiche am Boden bilden. Ganz viele Igel rollen sich am Wegesrand, wenn mein Dicker (eigentlich ist er für einen Berner Sennenhund sehr schlank, tschuldigung, Ares!) sie erspäht und an ihnen schnuppert. Eine Tasse Tee, nachdem man hereingekommen ist und die Drecksklamotten abgestreift hat, schmeckt hervorragend. Und mit Kopfhören auf der Rübe kann man selbst im Regen, wenn man so schlau war mal nicht die Regenjacke zu vergessen, noch prima nachdenken, während man gemütlich durch die Gegend schlurft. Vorgestern ist mir doch tatsächlich die Idee zu einer hervorragenden Szene in einem Kieswerk eingefallen. Also, ganz ehrlich, für Autoren gibt es doch keine schönere Jahreszeit.

Außer vielleicht noch den Winter, wenn die schöne weiße Schneedecke noch unberührt am Morgen in der Wintersonne leuchtet, oder den Frühling, wenn die Blüten langsam aufgehen, sich die Schmetterlinge entpuppen und die ersten kürzeren Röcke an Damenbeinen gesichtet werden. Und wenn ich dann noch an die Grillzeit im Sommer denke ...

Freitag, 1. November 2013

Mein perfektes Ende

Gibt es das perfekte Ende einer Geschichte, eines Romans, eines Films?
Hängt davon ab. Sowohl vom Genre, der Art und dem Ton der Erzählung, als auch vom Autor selbst und nicht zuletzt vom Leser beziehungsweise Zuschauer.
Es wird sicherllich viele Leser geben, die einfach ein Happyend brauchen. Man taucht schließlich in Phantasiewelten ab, um dabei auf Zeit seiner eigenen, manchmal vielleicht aauch tristen Reallität zu entfliehen. Manche bleiben dabei nahe an der "realen Welt", lesen Tatsachenromane, vielleicht auch historisches. In diesem Bereich dürften auch die meisten realistischen, das heißt nicht immer gut ausgehenden Enden anzufinden sein.
Anders sieht dies schon in der Kriminalliteratur aus: Bleiben auch unterwegs viele Opfer auf der Strecke, so muss doch am Ende der Täter überführt sein. Auch in Science-Fiction-Werken finden sich öfter optimistische Schlußszenen, als dass die Helden sterben.
Fiese Horrorwerke können hingegen gerne mal mit einem Überleben oder Wiederauferstehen des Antagonisten aufhören.

Neben dem Genre ist aber auch der Tonfall der Erzählung maßgebend: Einer locker-flockigen, lustigen Geschichte (Chick-Lit?) würde ohne Happyend ihre ganze Fröhlichkeit genommen, eine beissende Satire hingegen schreit meiner Meinung nach nach etwas anderem. Einem gut gelaunten Tritt in die Magengrube des Lesers.

Ich selbst, als Leser und als Autor, bin (von wenigen Ausnahmen abgesehen)  kein Freund von Happyends, bei denen alles gut ausgeht und alles abgeschlossen ist. Ist es nicht reizvoller, wenn die Helden auch mal scheitern? Das Böse gewinnt? Oder, noch besser in meinen Augen, wenn nicht alles abgeschlossen ist, sondern zwar erkennbar ist, dass der Kernaspekt der Geschichte vorbei ist, aber es für die Protagonisten noch weitergeht? Dass noch viel mehr passieren kann? Dann kann meine Phantasie nämlich die Geschichte weiterspinnen, sich noch tage- und wochenlang damit beschäftigen und träumen. Das offene Ende ist somit ganz eindeutig MEIN perfektes Ende. Aber nur dann, wenn man trotzdem das Gefühl hat, es sei etwas zum Abschluss gebracht worden, ein zentraler Teil (aber eben nur ein Teil) der Geschichte. Aber ich befürchte, die wenigsten Zuschauer und Leser sehen das genauso wie ich.

Daher, liebe Leser würde mich sehr interessieren, wie ihr das seht. Ich würde mich über Feedback in den Kommentaren sehr freuen, welche Bücher oder Filme eurer Meinung nach die perfekten Enden haben.

Meine Beispiele dafür, die ich gerade im Kopf habe: Die Verfilmung der Stephen King-Geschichte "Der Nebel" (ich war noch tagelang herrlich niedergeschlagen beim Gedanken daran). Und neulich habe ich "The Grey" gesehen. Ich war fasziniert von der Idee, den finalen Kampf von Liam Neeson gegen den Leitwolf eben NICHT mehr zu zeigen, ich war hin und weg! Und ich wette, genau das hat viele enttäuscht ...