Sonntag, 29. Dezember 2013

Respekt, lieber Tatort-Drehbuchschreiber!

Ich sehe gerne Tatort. Zugegeben, ich mag nicht alle Kommissare. Bei manchen schalte ich nicht ein (München, Leipzig). Den meisten Tatorten kann ich allerdings etwas abgewinnen. Oftmals gute Schauspieler, netter Lokalkolorit.
Die Drehbücher sind allerdings oft nur Durchschnitt. Oft weiß man schon worauf es hinauslüft und so richtig originell sind die wenigsten. Deshalb muss ich den heutigen Tatort auf jeden Fall mal besonders herausheben:
Abgesehen davon, dass Axel Milberg in meinen Augen sowieso ein unschlagbarer Hauptdarsteller ist, und die Mörderin ebenfalls hervorragend gespielt wurde, ist der heutige Kieler Tatort tatsächlich ausgesprochen erfrischend geschrieben worden. Zum einen musste ich herzlich lachen, als Borowskis Chef sich beim herumhantieren mit der geladenen Tatwaffe in den eigenen Fuss schoss. Klasse.
Am meisten aber hat mich der sehr originelle Schluss erfreut, als eine Nebenfigur absichtlich Selbstmord in der Wohnung der eigentlichen Täterin begeht, um sie als Mörderin hinzustellen. Und tatsächlich kommt sie mit ihrer eigentlichen Tat durch (was sogar nur Totschlag war), wird dafür aber für den Selbstmord des anderen als Mörderin lebenslänglich hinter Gitter gebracht. Das war eine für mich noch unbekannte, neue Variante, außerdem herrlich selbstironisch und schön gemein.
Deshalb: Respekt, lieber Sascha Arango! Gut gemacht!

Sonntag, 22. Dezember 2013

Schreiben am Ipad

Ich muss sagen, meine Einstellung zum Lesen und zum Schreiben an mobilen elektronischen Geräten hat sich im Laufe der letzten 2 Jahre doch sehr gewandelt.
Vor 2 Jahren jedenfalls habe ich noch Stein und Bein geschworen, dass man Bücher beim besten Willen nur in gedruckter Form lesen könne.
Dann bekam ich zum Geburtstag eine schöne Stange Geld, schlenderte durch einen Elektrofachmarkt und irgendwie fiel mir ein E-Reader ins Auge. Ein Sony, PSR-505, glaube ich. Und jetzt? Mittlerweile habe ich mit meinem Kindle Paperwhite meinen zweiten Reader und möchte ihn nie wieder missen (bis die nächste, noch bessere Version kommt). Mein Gott, was haben mein Reader und ich schon für Spaß zusammen gehabt. Es ist einfach zu geil, meine ganze Büchersammlung einfach mit in den Urlaub nehmen zu können.

Und beim Schreiben? Da hätte ich natürlich immer auf den PC geschworen. Schön im Arbeitszimmer am Schreibtisch. Großer Monitor, große Tastatur, wie soll es anders gehen.
Das Problem ist/war immer nur, dass ich meist gar keine Lust hatte, allein im abgeschotteten Arbeitszimmer zu sitzen. Ich habe gerne Frau/Kind/Hund um mich.
Aber an einem Tablet irgendwo am Wohnzimmer schreiben ... um Gottes Willen. Ich kann doch nicht am Bildschirm rumtippen und ich brauche beim Schreiben doch meine Musiksammlung auf Abruf (ich schreibe immer mit Musik, anders geht es gar nicht).
Und jetzt? Ich habe eine tolle Bluetoothtastatur bei AmazonBasics entdeckt. Mit meinem Ipad verbunden kann ich perfekt am Wohnzimmertisch oder auch am Sofa schreiben. Per Bluetoothkopfhörer höre ich über Spotify parallel dazu alles was ich will. Einfach perfekt.
Ganz ehrlich: Ich liebe solche Technik. Ich bin jetzt schon gespannt, was mir die nächsten zwei Jahre bringen!

Sonntag, 15. Dezember 2013

Aufschrei der (selbstgerechten) Empörung

Eigentlich müsste ich Anne Wizorek dankbar sein:
Dank ihr habe ich meine prophetischen Fähigkeiten entdeckt und mein Blogthema für diese Woche gefunden.
Aber trotze alledem bin ich stinksauer auf sie.
Warum?
Also, der Reihe nach:
Am Samstag abend habe ich erst mit Frau und Kind eine Folge der absolut grossartigen Serie "Person of Interest" geshen. Wer sie noch nicht kennt: Vielleicht ursprünglich als Mischung aus Thriller und Science Fiction konzipiert, ist es mittlerweile eine Dokuserie über die NSA geworden.
Im Anschluss an diesen Fernsehgenuss haben wir noch den Rest von "Wetten Dass" gesehen. Ich weiß, wir sind halt Masochisten.
Als das Ergebnis der Saalwette präsentiert wurde und einige Menschen als Lukas, der Lokomotivführer verkleidet kamen, inklusive schwarz geschminkten Gesichtern, sah ich meine Frau an und sagte: "Ha, wart mal ab, morgen kannst du lesen, wie rassistisch das ZDF doch ist und es wird wieder eine wunderbare Empörungswelle durch Express, Twitter, Spiegel-Online etc. schwappen. Bestimmt ist diese Aufschreitante auch wieder dabei!"
(Ja, ich habe `Aufschreitante´ gesagt. Höchst politisch unkorrekt, ja, ich kenne ja gar nicht ihre Verwandschaftsverhältnisse und habe sie dabei wieder auf ihre Rolle als Frau reduziert. Aber hey, in meinem Schlafzimmer bin ich immer unkorrekt, nicht nur politisch)

Meine Frau hat mich mit großen Augen angesehen, so als hätte ich ihr vorgeschlagen, ob wir uns nicht einen Außerirdischen ins Schlafzimmer einladen sollen, um ihm gemeinsam die Fussnägel zu schneiden. Sie hat beim besten Willen nicht verstanden, wie ich auf Rassismus komme und warum sich da viele drüber aufregen sollten, nur weil einige Leute im Fernsehen mit Schuhcreme auf einen alten Kinderbuchklassiker anspielen. Mit andeen Worten: Meine Frau denkt noch mit dem gesunden Menschenverstand. Ich hingegen bin durch diese elende Aufschrei-Debatte schon sensibiliert auf die nächste Sau, diee völlig unnötig durchs Dorf getrieben wird (wäre es gendertechnisch besser, ich hätte von einem "Eber" gesprochen?)
Und siehe da, was muss ich heute lesen? Ein Aufschrei, auf Twitter, Express, etc., initiiert von Anne wegen Blackfacing bei Wetten Dass!

Liebe Anne, und liebe mit-Aufreger: Langsam wird es nicht mehr lustig. Lebt doch in eurer spaßbefreiten, angsterfüllten Welt. Dann schottet euch aber auch richtig ab von allen anderen und belästigt normale Menschen nicht mit eurem Irrsinn. Denn weißt Du Anna, was das ist, wenn man einen Aufschrei inszeniert wegen schwarzer Schuhcreme bei Wetten Dass? Es ist die Verhöhnung von echtem Antirassismus! 
Glaubst Du, auch nur ein Schwarzer (äh, starkpigmentierter?) stört sich daran, wenn Weiße (schwachpignentierte?) Lukas, der Lokomotivführer spielen? Es stört sie vielmehr, wenn Scheißskinheads hinter ihnen herrennen, oder wenn sie im Berufsleben benachteiligt werden. Da kannst und solltest du kämpfen. Aber da ist es viel schwieriger Flagge zu zeigen. Aber am Handy auf dem Twitterbildschirm, da glaubst Du an vorderster Front zu stehen. Doch mit Deinem Aufschreimist machst Du den Kampf gegen die wahre Frauenfeindlichkeit und Rassismus u. ä. lächerlich. Du gibst Wasser auf die Mühlen all jener, die sich nur noch Verboten von links gegenübergestellt fühlen. Das macht alles eher schlimmer als besser. Deswegen verbreitet sich diese Angst vor "dem Islam" immer mehr, und vor "Emanzen". Wenn wir uns selbst alles verbieten, aus Angst, es könnte irgendjemand verletzen oder belästigen, dann entsteht unterdrückte Wut und Hass. Du erreichst damit das Gegenteil von dem was Du eigentlich willst. Wenn Du für jemand Partei ergreifst, liebe Anne, dann mach es verdammt noch mal nur dann, wenn er es auch wirklich braucht! Ansonsten läßt Du ihn in Wahrheit nur dumm dastehen.

Gut gemeint ist schlecht getan, Anne. Dein Aufschrei ist in Wahrheit ein Geräusch, das wie das Meckern einer Ziege klingt, in meinen Ohren.

Sonntag, 8. Dezember 2013

Meine erste Geschichte

Heute, lieber Leser, mal was ganz in eigener Sache:

Eine Kurzgeschichte von mir ist bei einer Anthologie des Mysteria-Verlags dabei!
Ich freue mich sehr darüber und hoffe, dass die Sammlung viele Leser finden wird und meine Story "Der heimliche Herrscher" mit den anderen Geschichten mithalten kann.

Ich gebs ja gerne zu, meine Geschichte ist naturwissenschaftlich eine Katastrophe, unsinnig und albern. Aber irgendwie finde ich sie trotzdem lustig und mag sie doch.

Viel Spaß beim Lesen des Bandes: "Meine erste Geschichte"!

Samstag, 30. November 2013

Die Müllabfuhr kommt!

Wofür zahle ich eigentlich Hundesteuer? Man könnte ja meinen, dass die Stadt als Gegenleistung für diesen Obulus (jaja, ich weiß, Steuern dürfen rein rechtlich gesehen keine Geenleistung bieten, wie schön, dass man die Grundlagen seiner Asbildung nie vergisst) den Hunden und ihren Besitzern wenigstens ansprechende Freilaufgebiete zur Verfügung stellt.

Ich gebe es ja zu, Ares-Vin und ich, wir haben ja Glück direkt neben einem Park mit Freilauffläche zu wohnen, aber ansonsten sieh es hier in Bonn mit solchen Gebieten eher mau aus.
Und bisher gab es immerhin auch einige Aufsteller der Stadt, aus denen man als Hundebesitzer sich einen Gratiskotbeutel entnehmen konnte, was ganz praktisch ist, wenn man mal vergessen hat welche mitzunehmen.

Was passiert 2014? Da spart die Stadt Bonn doch glatt die Kotbeutel ein! Als Sparmaßnahme! Sind die des Wahnsinns? Bei fast zwei Milliarden Euro Schulden bezweifele ich doch sehr das Einsparpotenzial durch Plastikkotbeutel. Ich meine, aus Platin scheinen die mir eigentlich nicht hergestellt zu sein. Dem Schlaukopf hingegen, der sich diese Einsparung ausgedacht hat, empfehle ich doch mal gegenzurechnen, wieviel mehr Reinigungsaufwand die Straßenreinigung haben wird durch nicht mehr weggemachte Hundehaufen ...

Eigentlich müßte die Rechnung sogar völlig umgekehrt lauten: Ares-Vin sollte von der Straßenreinigung ein Gehalt bekommen. Es ist nämlich so, dass mein Berner Sennenhund nicht nur einen ausgesprochenen Sammelfimmel hat (wenn es Hundenerds gibt, dann ist Ares sowas wie der Sheldon Cooper der Hunde, ihr hättet mal seine Stöckchensammlung letztes ja sehen sollen), nein, er hasst es auch, wenn er in der Natur Müll herumliegen sieht:


Einer muss es ja wegräumen ...


Wenn ich den Spacko erwische der das weggeworfen hat, dem beiß ich in den A....



Denkt Ihr nicht auch: Dieser Hund hat ein Gehalt als Müllwerker verdient? Ich überlege schon, ob ich ihm für sein Geschirr einen schönen "BonnOrange"-Sticker drucken lasse.


Donnerstag, 21. November 2013

`Die Bank Raub´- Sätze für die Ewigkeit

Der Versuch der Rezension einer Leseprobe



Gary Whitmore, ich verneige mich vor Dir. Nichts könnte für einen Nicht-Muttersprachler schwieriger sein, als Bücher in einer anderen Landessprache zu schreiben.
Sicher, es könnte möglicherweise einige skrupellose Leute geben, die sich einfach denken:
Hey, meine dahingerotzten ebooks könnte ich doch einfach durch den Google-Übersetzer jagen und dann im jeweiligen Land in den Amazonstore reinkloppen, mal schauen wieviele Spacken darauf reinfallen.

Doch Gary Whitmores Werk ist fernab jeglichen Könnens und einfach superdreist solcher Verdächtigungen.

Exemplarisch möchte ich dazu heute die Leseprobe seines ebooks "Die Bank Raub" vorstellen (leider hatte ich gerade keine, ähem, 89 Cent übrig, aber ich werde ganz doll drauf hinsparen, ich versprechs, Gary).

Alleine der Titel macht eindeutig klar, dass uns hier der letzte Scheissendreck kein simpler Thriller serviert wird, sondern ein sozialkritisch geprägtes Opus!
  • Durch die Verwendung eines nur auf den ersten, oberflächlichen Blick hin, falschen Artikels, zeigt sich Whitmores Intention, auf den immer dramatischer werdenden Genderkonflikt hinzuweisen! Viel zu oft, wird ein Bankraub als etwas männliches dargestellt, "der Bankraub", so wird es landauf, land ab in den Medien bezeichnet. Dabei heißt es doch "das Verbrechen". Wenn ein Verbrechen jedoch etwas geschlechtsspezifisch neutrales ist, müsste es dann nicht auch "das Bankraub" heißen? Mit der genialen Überspitzung hin zu einer weiblichen Form des Überfalls auf ein Geldinstitut prangert Whitmore entschieden die Männlichisierung der Kriminalität auf subtile Art und Weise an!
  • Auch scheint sich eine brilliante Form der Anspielung auf eine der erfolgreichsten Filmreihen aller Zeiten hinter diesem so unscheinbar wirkenden Buchtitel zu verbergen. Der Connaisseur der Aktionsfilme wird sofort die Anspielung auf die "Die Hard" (Stirb Langsam) - Reihe erkennen. "Die Bank Raub", also zu ganz deutsch "Stirb, Bank raub" ist eine klare Absage an den Raubüberfall. Du hast keine Chance mehr, lieber Bankraub, du wirst sterben so wie meine Gehirnzellen beim Lesen von Gary Whitmores Abzockerkacke!

Und schon die Kurzzusammenfassung verspricht großartiges:

"Ein Aussenseiter Sehnsucht nach Ehe wird ein Flüchtling, nachdem er unwissentlich eine Bank ausraubt für seine neue Liebe Interesse dann klinkt sich mit einem Biker Chick, wo sie diese andere Frau und ihr Freund jagen, um sie verhaften lassen, seinen Namen reinzuwaschen. Aber es stellt sich heraus, dass dieses Mädchen auch betrogen seinem alten College-Freunde einschließlich der Bruder dieses biker chick. Sie gehen auf ein Abenteuer, dieses Mädchen und ihr Freund zu stoppen und speichern Sie alle von einem langen Leben hinter Gittern."

Betrüger hinter Gittern zu speichern - ich bin mir sicher, Gary Whitmore versteht etwas von diesem Konzept.

Ein Blick in die kostenlose Leseprobe enttäuscht nicht:

`Der Schrank von Wallys Bett war leer und ein gepackten Koffer saß auf dem Boden. Er war bereit nach Hause zu gehen.´
  • Hier zeigt sich eine von Whitmores größten Stärken: Genreübergreifend zu arbeiten, wenn es sein muss! Lapidar bringt der Autor hier ein Fantasyelement in die bisher so realistisch geschilderte Thrillerhandlung. Wo wohl das zu Hause des Koffers ist? Wird er lange dorthin gehen müssen? Hat der Koffer Füße, so wie die Truhe bei Terry Pratchett?
  • Auch Wallys Bett scheint ein interessantes Eigenleben zu führen, denn ofensichtlich ist das Bett Eigentümer des Schranks. Dass so viele Gegenstände von Wally ´lebendig´sind kann doch kein Zufall sein! 
Achtung! Die nun folgende Passage ist nichts für zarte Gemüter!

`Dann Joey bemerkte einen riesigen weißen Kopf Pickel am Kinn.Er fing an, es knallen, sondern zog seine Hand weg, als er, wenn er es knallte, es könnte eine Akne Narbe hinterlassen erinnerte. Er nahm eine Tube Clearasil aus dem Medizinschrank. Er öffnete sie und schmierte Clearasil auf die unansehnliche Pickel. Joey ging aus dem Bad mit dem Rohr von Claerasil in der Hand und trat in seinem Zimmer im Studentenwohnheim. Er warf den Schlauch von Clearasil und er landete in seinem offenen Koffer.´
  • erst Fantasy, dann auf einmal, ohne jegliche Vorwarnung Horror! Das Bild eines gigantischen Kopfes, der aus Joeys Kinn herausragt, werde ich wohl nie mehr vergessen können.
  • Doch damit nicht genug, jetzt kommt auch noch eine auto-erotische Komponente ins Spiel: Joey knallt erst seinen eigenen Kopfpickel, wobei ich mir anatomisch nicht ganz im klaren bin, wie er dies bewerkstelligt. Und dann verlässt er das Badezimmer mit einem durch Clearasil ausgelösten Ständer. Interessant, Clearasil als Potenzmittel, mir scheint, als hat Whitmore ganz nebenbei eine aufsehenerregende (im warsten Sinne des Wortes) Entdeckung gemacht!
  • natürlich darf auch der herumrennede Koffer nicht fehlen, der wahrscheinlich wie ein Hündchen wild hin- und herläuft und nur darauf wartet, den Clearasilschlauch zu fangen
 Wem es bis jetzt noch nicht klargeworden ist, dass Gary Whitmore der neue Meister für subtile Erotik ist, der wird spätestens nach folgender Passage neu erleuchtet aufmerken:

´Sie ging hinüber und griff nach einem Handtuch von der Stange über der Toilette. Und trocknete ihr Haar, als sie vor dem Spiegel stand und sah ihren nackten Körper über. Sie rieb sich die frechen A-Cup Brüste. "Wann werden sie mit Milch zu füllen?" fragte sie sich, vor sich hin. Sie drehte sich zur Seite und schaute in den Spiegel, als sie ihre schwangere, sackartigen Bauch gerieben.´
  • Mal ehrlich, ganz unter uns: Welche Frau träumt nicht auch davon, sich ihre Brüste mit Milch zu füllen und einen sackartigen Bauch zu bekommen?

Ich könnte noch stundenlang so weitermachen, aber ich könnte nur noch kotzen doch ich möchte den vielen neuen Lesern, die Whitmores, jetzt schon zum Literaturklassiker avanciertes, Epos unvoreingenommen entdecken können, den Spaß nicht verderben.

Verzagt nicht, liebe Leser - zum Glück gibt es noch so viel schönes von Gary Whitmore:

Weitere ebooks von Gary Whitmore, über die ich demnächst schreiben werde (wenn ich die Zwangsjacke wieder abgenommen bekomme):

Gary, ganz ehrlich: selbst wenn ich mir drei Kilo Koks in einem Zug durch die Nase ziehe, fallen mir solche wunderschönen Buchtitel nicht ein. Du bist ein Idiot ein neuer Stern am Himmel der Leute-Beschiss-Literatur!

Wer ist eigentlich dieser bekloppte dieser aufstrebende Literaturnewcomer Gary Whitmore?, höre ich den verzückten Literaturfan fragen. Nun, der Autor sagt über sich:

Gary Whitmore wurde 1956 in Casablanca geboren, während sein Vater dort in der US Army stationiert war. Im Anschluß an die High School ging Gary zur Air Force. nachdem er dort 1978 ausschied, ging Gary zum Delaware Technical & Community College in Newark, Delaware. 1980 besuchete Gary die University of Central Florida mit Abschluß 1982. 1983 begann Gary am Space Shuttle Programm im Kennedy Space Center in Florida zu arbeiten, bis zum Ende des Suttle Programms 2011.
2003 entwickelte Gary Interesse am Schreiben von Drehbüchern und hat Stand 2011 über 20 Drehbücher verfasst.

Und da sag noch einer, aus Hollywood käme nur noch Müll ...

Dienstag, 19. November 2013

Für welchen Mitteln ein Mensch fähig ist - Rezension einer Buchrückseite (`Der Verräter´ von Simone Kaplan)




Heute, liebe Leser, möchte ich eine Buchrückseite besprechen. Ihr kennt das, wenn mit nur ein paar knappen Sätzen eure Phantasie unendlich angeregt wird? Wenn ihr alle euch drängenden Aufgaben einfach vergesst und Ihr euch einfach nur in Omas gemütlichen Ohrensessel schmiegen wollt und endlich mit dem schmökern dieses neuen, euch noch unbekannten Werks beginnen wollt, ihm richtig entgegenfiebert?
Dann lest um gotteswillen nicht die RückseiteDann geht es euch so wie mir mit Simone Kaplans Rückseitentext zu "Der Verräter".

So, ich sitze schon in Omas Ohrensessel (warum heißt das eigentlich Ohrensessel? Wurde das Leder aus tausenden abgeschnittener Ohren hergestellt? Können die mich hören, wenn ich was sage, während ich hier sitze? Hilfe.) Moment, ich hol mir grad noch eine Flasche Doppelkorn eine schöne Tasse Pfefferminztee, dann gehts los:

Diese hoffnungsvolle Jungautorin (seit 2012 erst über 30 Bücher verfasst, aber dies nährt Hoffnung: wenn ich noch 40 Jahre lebe, kann ich statistisch gesehen, wenn Kaplan in dem Tempo weitermacht, noch über 600 Bücher von ihr lesen) hat mich jedenfalls mit der Zusammenfassung zu ihrem Thriller richtig in den Bann gezogen.

Der Einstieg ist noch vergleichsweise zahm, wirft aber dennoch bereits zahllose Fragen auf:

"Zack 32 Jahre zieht wegen eines interessanten Jobangebot von Boston nach New York. Dort lernt er Steve kennen und freundet sich mit ihm an."
  • hat Kaplans Thriller auch Science-Fiction Elemente? Der Name Zack 32 deutet stark darauf hin! Viellecht ein Klon? Oder ein Roboter? Ich liebe Roboter. Aber der Nachnahme `Jahre´ deutet doch auf eine menschliche Komponente hin. Vielleicht geklonte MenschRoboter-Hybriden!
  • leicht enttäuscht bin ich darüber, dass sich Kaplan für das viel zu oft verwendete Klischee des `interessanten Jobangebots´ entschieden hat. Für ein uninteressantes Jobangebot umzuziehen, das wäre mal was. Aber schon hier wird klar, dass Zack 32 Jahre ein furchtloser, mutiger Visionär sein muss. Wenn man nur für ein Angebot direkt umzieht, muss man einfach Mumm in der Buxe haben, ich hingegen bin so in der Notwendigkeit monetärer Abhängigkeit verwurzelt, dass ich mich nur bei einem bereits von beiden Seiten unterschriebenen Arbeitsvertrag bei einem Umzugsunternehmen vorstellen würde. Aber was weiß ich schon vom echten Leben.
  • Steve scheint offensiichtlich kein Menschroboterhybrid zu sein. Einerseits schade, denn ich liebe Roboter, andererseits deutet sich hier bereits eine mögliche Konfrontation zwischen Mensch und Menschhybridroboter an. Spannend.
  • das Weglassen des genitivus qualitatis macht bereits mit dem ersten Satz unmissverständlich klar: Kaplan ist bereit, radikal mit jeder Regel zu brechen, wenn es gilt, ausgetrampelte Pfade der SchundTrivialliteratur zu brechen!  
 "Als Steve nach der Trennung mit seiner ersten Liebe ein packender Thriller darüber schreibt ist Steve überhaupt nicht begeistert davon."
  •  Aha! Steve hat sich von Zack 32 Jahre nach kurzer Zeit schon wieder getrennt? Und um diese traumatische Trennung zu verarbeiten, schreibt Steve zusammen mit seiner ersten Liebe (DEN Anruf würde ich gerne persönlich miterleben: "Ähm .. hallo, hier ist Steve, du weißt schon, der von damals, vor dreißig Jahren, in der Grundschule. Genau, der dem du eine geklebt hast, nachdem er dich versucht hat auf dem Spielplatz ... Also jedenfalls, ich hatte einen neuen Freund, aber von dem habe ich mich getrennt, weißt du, ich kam mit meiner neu entdeckten Homosexualität einfach nicht so gut klar, und weil da echt total viele spannende Dinge passiert sind bei der Trennung, möchte ich einen packender Thriller darüber schreiben! Wie, es heißt `packenden Thriller´? Das ist mein Buch, ich mach die Rechtschreibung und du schreibst über das Mädchenzeug darin und so.")
  • Steve scheint das Schreiben eines Thrillers nicht gut bekommen zu sein, denn er ist selbst nicht davon begeistert, dass er einen packender Thriller geschrieben hat. Entweder ist Steve schizophren oder er ist doch auch ein MenschRoboterhybrid - die menschliche, emotionale Seite versucht die Trennung zu verarbeiten, während die sachlich-robotische Seite dies kategorisch ablehnt. Hoffentlich ist es die zweite Variante, ich mag Bücher mit Robotern.

"Neidisch muss er feststellen dass Zack ein Ausnahmetalent ist im Schreiben. Während seine Werke eher auf dem Grund des Meeres liegen."

  • Ja, Ausnahmetalente im Schreiben sind rar. Nur wenige Auserwählte können ca. 15 Bücher im Jahr veröffentlichen. Mag Zack auch Kaplansche Qualitäten aufweisen, Steve hingegen scheint wohl nur, immerhin packende, Thriller schreiben zu können.  Auf jeden Fall scheint auch Steve sehr produktiv zu sein, wenns auch nur für Fischfutter reicht.
  • Hat Kaplan hier einen Skandal in der Literaturszene aufgedeckt? Es scheint, als gäbe es einen Geheimbund oder eine Gruppierung oder was auch immer, die packende Thriller uns Lesern vorenthält und diese auf dem Meeresboden entsorgt! Ich weiß nicht was schlimmer ist, die Vorstellung, dass Bücherverbrennung durch Bücherversenkung abgelöst wurde, oder dass die Meeresfische in Zukunft nicht an Verschmutzung sondern an Legasthenie erkranken.

"Auch im Job hat Zack die Nase vorn. Als Zack ihm wegen seines Thrillers vertrauensvoll um Rat bittet schmiedet Steve einen Racheplan .....der Zack bis an die Grenze des Verstandes bringt!"
  • Dass die Autorin etwas von den Grenzen des Verstandes ... äh ... versteht, dürfte klar sein. Eine Wahnsinnige schreibt einen Thiller  über jemand, der einen Thriller schreibt und damit jemand so rachsüchtig macht, dass dieser den (fiktiven) Thrillerautor wahnsinnig macht. Irgendwie macht mich alleine schon dieser Rückseitentext selbst wahnsinnig, herrlich! So spielt man mit Metaebenen, Kaplan zeigt damit allen Möchtegernthrillerautoren wo es langgeht (in die Irrenanstalt)!
  •  In welchem Job mag Zack wohl die Nase vorn haben? Als Reiniger im Ameisenbärgehege? Dann wäre Zack wirklich ein Tausendsassa.
  • Kommt hier eine autobiographische Komponente ins Spiel? Verarbeitet Kaplan vielleicht selbst ein eigenes traumatisches Erlebnis, nachdem sie jemanden wegen eines Thrillers vertrauensvoll um Rat gefragt hat? Ich könnte mir vorstellen, dass Kaplan vom Thema "rachsüchtiger Leser" so einiges versteht.
  • Also: Zack hat sich mit Steve angefreudnet. Steve schreibt einen packender Thriller. Dann fragt ihm Zack wegen seines eigenen Thrillers um Rat, woraufhin Steve einen Racheplan schmiedet. Sehe nur ich hier Grundzüge einer dadaistisch-anarchischen Handlungsstruktur?
"Was machst du ,wenn dein bester Freund in Wahrheit dein größter Feind ist?"
  • Wer von uns hat sich in der ein oder anderen Form diese Frage nicht auch schon gestellt: Was machst du, wenn dein neues Thrillerebook eine unglaublich schlechte, orthografisch pervertierte Grütze ist? Was machst du, wenn dir keiner deiner Testleser sagst, dass du lieber Straßenbauarbeiter oder Kükensortierer werden solltest, anstatt Autor?
  • Gibt es einen größeren Feind als die Kommasetzung?
"Für welchen Mitteln ein Mensch fähig ist, wenn er blind vor Neid und Rachsucht ist um das geht es in dem Thriller `Der Verräter´"
  • Im letzten Satz das größte Kleinod: Mit grandioser poetischer Kraft hebelt Kaplan erneut lapidare grammatikalische Regeln auf. Wie in einem gewaltigen Gedicht, gegen das Shakespeares "Der Sturm" wie der erste Schulaufsatz eines legasthenischen Kindes, dem man vier Wochen sein Ritalin entzogen hat, wirkt, stimmt uns Kaplan ein auf die grundlegenden Themen von "Der Verräter", nämlich Grammatik und Selbstüberschätzung, nämlich Neid und Rachsucht.
Und so schließe ich meine Rückentextbeschreibung mit dem Aufruf an alle Leser: Geht hin und mehret euch lest, verarbeitet und verinnerlicht dieses Werk.

Für welchen Mitteln seit Ihr fähig, dem Oevre Simone Kaplans noch zu widerstehen? Ich nicht, von nun an hat Simone einen neuen Fan.

Mittwoch, 13. November 2013

Filmperle: Idiocracy

Die Menschheit verblödet


 Idiocracy - Plakat/Cover

Handlung:
Ein Durchschnittsamerikaner wird zusammen mit einer Prostituiten mehr oder weniger versehentlich für 500 Jahre eingeschläfert. Als sie aufwachen, stellen sie fest, dass die gesamte Menschheit verblödet ist und sie die intelligentesten Menschen der Welt sind.

Für weitere Einzelheiten: Wikipedia
(ich persönlich möchte vor einem Film, den ich nicht kenne möglichst wenig von der eigentlichen Handlung wissen).

Ich liebe Satire. Gute Satire ist meiner Meinung nach bösartig, gandenlos, und darf auch manchmal gerne, je nach Thema, mit dem Dampfhammer umherschlagen.

Idiocracy ist eine leider völlig unter dem Radar geflogene Filmsatire, die viel mehr Aufmerksamkeit verdient hätte. Jeder Misanthrop sollte an diesem Film seine wahre (Un)-Freude haben. Oder jeder, der die Meinung vertritt, dass sich nur noch die Blöden ungehemmt vermehren, die Intelligenten hingegen aussterben.
Dies ist, zumindest oberflächlich, die Grundhypothese des Films, doch eigentlich prangern Drehbuchautor Etan Cohen und Regissseur Mike Judge ein ganz anderes Problem an: Nicht die vermeintlich höhere Reproduktionsrate der Unterschicht führt zu einer zunehmenden Verblödung der Menschheit. Es ist velmehr die Dauerberieselung durch Werbung, unsere Selbstgeisselung durch unsere totale Unterwürfigkeit gegenüber dem Kapitalismus, die dazu führen wird, dass wir in 500 Jahren nicht mehr wissen werden, dass man Getreidefelder nicht mit Softdrinks bewässern kann (die haben doch Elektrolyte!).

Idiocracy ist 2006 erschienen, noch bevor die Finanzkrise das erstemal so richtig zugeschlagen hat. Leider waren die Filmemacher somit ihrer Zeit ein paar Jahre zu weit voraus. Ich würde jede Wette eingehen, dass der Film, erschiene er heute, wie eine Bombe einschlagen würde.
 
Also: Speziell für Tage, an denen man sich mal wieder so richtig aufgeregt hat, mit was für verblödender Werbung wir zugeballert werden, wie Politiker die hanebüchesten Dinge ungestraft in jede Kamera sagen dürfen (ich sage hier nur: Idiocracys Präsident Camacho, Wrestler und Erwachsenenfilmdarsteller), ist dieser Film genau das richtige. Zugegeben, manchmal sind die Dialoge etwas derbe-obszön, darauf hätten die Filmemacher gerne verzichten können.

Und dennoch trifft Idiocracy zumindest mein Humorzentrum mitten ins Schwarze. Ich habe seitdem keinen Softdrink mit Elektrolyten mehr angerührt. 

Montag, 11. November 2013

9mm - Gratis ebook



Wie das meistens so ist mit Wettbewerben - meistens verliert man, oder die anderen gewinnen. Also, liebe Leser, meine Kurzgeschichte "9mm" ist leider nicht prämiert worden, und ich weiß nicht, ob das etwas über ihre Qualität aussagt.

Ich selbst finde sie ganz ok, auf jeden Fall nicht so schlecht, dass ich sie in meinem Garten verscharre.
Daher habe ich mich entschieden, sie als kostenloses ebook hier auf meinem Blog zum Download anzubieten. Auf diese Art und Weise konnte ich ein wenig mit Coverdesign und Ebookformatierung rumspielen und bekomme hoffentlich einiges an Feedback von meinen Lesern. Also los, Emails, Kommentare - gebts mir so richtig.

Eine kurze Info noch zum Umfang der Kurzgeschichte beziehungsweise zu den Vorgaben des Wettbewerbs: Eingereicht werden durften Geschichten mit maximal 10.000 Wörtern. Ziemlich wenig, wenn man noch eine Handlung haben möchte.
Das Thema lautete "Besser geht`s nicht".
Was mir dazu einfiel (außer Jack Nicholson)? Natürlich eine Handfeuerwaffe!

Hier die Downloads (per Dropbox, anklicken und der Download müßte starten, wenn nicht bitte schickt mir mal eine Mail damit ich da dran rumschrauben kann):

9mm als Mobi
9mm als epub


Donnerstag, 7. November 2013

Drive und die Gewalt

 Neulich habe ich mal wieder einen Film gesehen, der mich auch Tage und Wochen danach noch beschäftigt. Wunderbar, ich liebe es wenn das passiert.
Ich habe ihn im Kino verpasst und die BluRay ist auch schon länger draussen, aber irgendwie hatte ich den Film nicht so richtig auf meiner NochzuGucken-Liste.


http://www.beat-the-fish.de/wp-content/uploads/2012/02/drive_ch.jpg



So müssen Filme sein: Ein pefektes Zusammenspiel von Optik (fantastische Bilder), Soundtrack (während ich dies schreibe, läuft gerade Nightcall) und darstellerischen Leistungen. Oberflächlich betrachtet, wird eine ganz einfache Geschichte Raub- und Rachegeschichte erzählt. Was mich aber fasziniert hat, ist das, was unter der Oberfläche des Drivers brodelt. Selten fand ich es so perfekt dargestellt, wie es unter einem nach außen hin extrem ruhigen, stoischen Menschen vor Gewalt nur so brodeln kann.

Ich bin nun wirklich kein Gegner von Gewalt in Filmen, Ich weiß gute und auch schlechte Actionfilme sehr zu schätzen, ebenso Thriller, Gangster,- und Rachefilme.

Was Drive meiner Meinung nach sehr aber deutlich von anderen Filmen aus diesen Genres unterscheidet, ist die Wirkung die dieser Film auf mich hatte. Die Kombination aus vielen langen, ruhigen Einstellungen, wenigen Dialogen, schönen Bildern und hypnotischer Musik lullt einen fast ein wie in einem schönen Traum, aus dem man jäh mit Anlauf getreten wird, mitten in den Kopf.
Die Gewaltszenen empfand ich als sehr krass, und ich habe schon einige gesehen in meinem Flimzuschauerleben. Im ersten Moment habe ich gedacht: Muss das so hart sein? Ist das nicht eine Spur zu weit? Doch genau diese Wirkung ist doch die richtige (hier): So wie die Gewalt hier gezeigt wird, ist sie abschreckend. Die Abgründe im Charakter des Driver werden dem Zuschauer so genau vor Augen geführt. Das, was er tut, ist kein Spaß, jede Handlung hat ihre zum Teil fürchterlichen Konsequenzen.

Und genau so muss es sein. Meiner Meinung nach wird Gewalt in Film und Fernsehen viel zu oft trivialisiert. Wenn in der x-ten Fernsehserie Leute mit kleinen Einschusstellen einfach umfallen, nimmt man als Zuschauer doch gar nicht mehr bewusst wahr, was da passiert ist: Ein Menschenleben wurde für immer genommen, mit Schmerzen, Blut und allem was dazugehört. Ganz schlimm war das früher beim A-Team: 4 Flüchtige schießen permanent mit automatischen Gewehren herum und nie wird irgendein Mensch auch nur getroffen. So verharmlost man Waffen. Früher wäre ich auch gerne wie Hannibal rumgelaufen mit Zigarre im Mund und Sturmgewehr im Anschlag.

Nach DRIVE möchte ich nicht mal ein Messer in der Tasche tragen geschweige denn feste Stiefel tragen oder mit jemand anderem in einem Aufzug fahren.

Montag, 4. November 2013

Herbstspaziergangsgedanken

Ares-Vin geht schon mal vor


Ist die deutsche Sprache nicht herrlich? Ich meine einmal gehört zu haben, dass es keine andere Sprache in der Welt gibt, in der man Hauptwörter so schön ungegrenzt aneinanderklatschen kann wie im Deutschen. Donaudampffschiffahrtskapitänsmützenrandabstandshalternadelhersteller, oder auch Herbstspaziergangsgedanken.
Die kommen mir im Moment nämlich reichlich, denn es ist Herbst und dank Hund muss ich auch immer raus, egal wie bäh ich es auch finde.
Ich gebe ja zu, ich nerve das ganze Jahr über mein Umfeld mit meinen Empfindungen gegenüber den Jahreszeiten, denn grundsätzlich hasse ich jede Jahreszeit!

Der Sommer ist mir zu heiß.
Der Frühling zu naß und für Allergiker eine wahre Pein.
Der Winter ist mir zu kalt.
Und der Herbst ist mir zu naß und schmuddelig.

Wenn es im Sommer heiß ist, rufe ich des öfteren aus, dass ich mir en regnerischen Herbst herbeisehne. Wenn ich mal wieder im Schneechaosstau stehe, dann kann der Sommer gar nicht schnell genug kommen. Und so weiter und so weiter. Ich kokettiere gerne damit, ein Misanthrop zu sein.

Aber, jetzt mal ganz unter uns, nach einer Woche voller besonders vieler nasser, schlammiger und klammer Spaziergänge:

Der Herbst ist schön! Ares-Vin läuft viel beschwingter über den Acker als im Hochsommer und schlammverschmiert hat er einfach mehr Spaß. Ich mag die bunten Blätter, wie sie dichte Teppiche am Boden bilden. Ganz viele Igel rollen sich am Wegesrand, wenn mein Dicker (eigentlich ist er für einen Berner Sennenhund sehr schlank, tschuldigung, Ares!) sie erspäht und an ihnen schnuppert. Eine Tasse Tee, nachdem man hereingekommen ist und die Drecksklamotten abgestreift hat, schmeckt hervorragend. Und mit Kopfhören auf der Rübe kann man selbst im Regen, wenn man so schlau war mal nicht die Regenjacke zu vergessen, noch prima nachdenken, während man gemütlich durch die Gegend schlurft. Vorgestern ist mir doch tatsächlich die Idee zu einer hervorragenden Szene in einem Kieswerk eingefallen. Also, ganz ehrlich, für Autoren gibt es doch keine schönere Jahreszeit.

Außer vielleicht noch den Winter, wenn die schöne weiße Schneedecke noch unberührt am Morgen in der Wintersonne leuchtet, oder den Frühling, wenn die Blüten langsam aufgehen, sich die Schmetterlinge entpuppen und die ersten kürzeren Röcke an Damenbeinen gesichtet werden. Und wenn ich dann noch an die Grillzeit im Sommer denke ...

Freitag, 1. November 2013

Mein perfektes Ende

Gibt es das perfekte Ende einer Geschichte, eines Romans, eines Films?
Hängt davon ab. Sowohl vom Genre, der Art und dem Ton der Erzählung, als auch vom Autor selbst und nicht zuletzt vom Leser beziehungsweise Zuschauer.
Es wird sicherllich viele Leser geben, die einfach ein Happyend brauchen. Man taucht schließlich in Phantasiewelten ab, um dabei auf Zeit seiner eigenen, manchmal vielleicht aauch tristen Reallität zu entfliehen. Manche bleiben dabei nahe an der "realen Welt", lesen Tatsachenromane, vielleicht auch historisches. In diesem Bereich dürften auch die meisten realistischen, das heißt nicht immer gut ausgehenden Enden anzufinden sein.
Anders sieht dies schon in der Kriminalliteratur aus: Bleiben auch unterwegs viele Opfer auf der Strecke, so muss doch am Ende der Täter überführt sein. Auch in Science-Fiction-Werken finden sich öfter optimistische Schlußszenen, als dass die Helden sterben.
Fiese Horrorwerke können hingegen gerne mal mit einem Überleben oder Wiederauferstehen des Antagonisten aufhören.

Neben dem Genre ist aber auch der Tonfall der Erzählung maßgebend: Einer locker-flockigen, lustigen Geschichte (Chick-Lit?) würde ohne Happyend ihre ganze Fröhlichkeit genommen, eine beissende Satire hingegen schreit meiner Meinung nach nach etwas anderem. Einem gut gelaunten Tritt in die Magengrube des Lesers.

Ich selbst, als Leser und als Autor, bin (von wenigen Ausnahmen abgesehen)  kein Freund von Happyends, bei denen alles gut ausgeht und alles abgeschlossen ist. Ist es nicht reizvoller, wenn die Helden auch mal scheitern? Das Böse gewinnt? Oder, noch besser in meinen Augen, wenn nicht alles abgeschlossen ist, sondern zwar erkennbar ist, dass der Kernaspekt der Geschichte vorbei ist, aber es für die Protagonisten noch weitergeht? Dass noch viel mehr passieren kann? Dann kann meine Phantasie nämlich die Geschichte weiterspinnen, sich noch tage- und wochenlang damit beschäftigen und träumen. Das offene Ende ist somit ganz eindeutig MEIN perfektes Ende. Aber nur dann, wenn man trotzdem das Gefühl hat, es sei etwas zum Abschluss gebracht worden, ein zentraler Teil (aber eben nur ein Teil) der Geschichte. Aber ich befürchte, die wenigsten Zuschauer und Leser sehen das genauso wie ich.

Daher, liebe Leser würde mich sehr interessieren, wie ihr das seht. Ich würde mich über Feedback in den Kommentaren sehr freuen, welche Bücher oder Filme eurer Meinung nach die perfekten Enden haben.

Meine Beispiele dafür, die ich gerade im Kopf habe: Die Verfilmung der Stephen King-Geschichte "Der Nebel" (ich war noch tagelang herrlich niedergeschlagen beim Gedanken daran). Und neulich habe ich "The Grey" gesehen. Ich war fasziniert von der Idee, den finalen Kampf von Liam Neeson gegen den Leitwolf eben NICHT mehr zu zeigen, ich war hin und weg! Und ich wette, genau das hat viele enttäuscht ...

Freitag, 25. Oktober 2013

Weiter gehts


Nadeln im Arm
Schmerzen im Darm
Pfleger kommt rein
piekst mir ins Bein
am Ständer der Tropf
Leere im Kopf

will hier raus
alles ist aus

Christa El Kashef  / pixelio.de

Donnerstag, 24. Oktober 2013

Smartphone abgehört? Die Polizei hilft!

Arno Bachert  / pixelio.de


Die Polizei bietet nach dem Bekanntwerden der Abhöraffäre um Angela Merkel jetzt einen Service für alle besorgten Bundesbürger an:
Lassen Sie ihr Smartphone durchchecken! Sogar unentgeltlich. Verdächtige Aktivitäten (Nein, natürlich nicht Ihre!) werden von kompetenten Ordnungshelfern erfasst und gemeldet. Vielleicht sogar Ihnen!


Merkel entsorgt alle Regierungshandys!

EILMELDUNG ------ EILMELDUNG ------EILMELDUNG

Berlin. Angela M. ist entsetzt! Einst einem schlimmen Überwachungsstaat entkommen, wähnte sie sich in Sicherheit. Hier hatte Sie alles, was man braucht zum glücklichsein: Einen festen, so gut wie unbefristeten Arbeitsplatz mit Verrentungsgarantie, fähige Mitarbeiter. Doch dann zerbrach mit einem Schlag ihre Welt: Ihr eigenes Telefon abgehört!
Doch jetzt regiert reagiert Angela M.: Heute, am Donnerstag den 24.10.2013 wurden auf ihre Anweisung hin alle Regierungshandys vernichtet. Erste Lichtbildaufnahmen der Aktion zeigen, dass Kanzleramtschef Pofalla seine Aufgaben wie immer sehr ernst nimmt:

Bild: Oliver Weber / pixelio.de

Angie und ihr Telefon

Aus der Rubrik: Wenn ich selber betroffen bin, geht es mir nicht mehr am Arsch vorbei!

Fotos: Tim Reckmann, Martin Berk / pixelio.de
                              

Angela Merkel, Interview mit der Zeit, 11.07.2013

Die Zeit: Frau Bundeskanzlerin, Helmut Kohl ließ sich angeblich von seinem Fahrer in eine Telefonzelle bringen, wenn er ungestört telefonieren wollte. Wohin gehen Sie, wenn Sie sicher sein wollen, dass niemand mithört? 

Angela Merkel: Ich vertraue darauf, dass unsere Fachleute in der Lage sind, die Sicherheit dieser Räume zu gewährleisten. 

Zeit: Sie sind sicher, dass Sie nicht abgehört werden?

Merkel: Ich habe, wie gesagt, Vertrauen in die Fähigkeiten unserer Behörden. Aber ich weiß natürlich nicht, was womöglich in Ihrem Handy versteckt ist.

Zeit: Keine Sorge, wir haben unsere Geräte gerade im Vorzimmer abgegeben. Sie haben nach Ihrem letzten Telefonat mit Präsident Obama gesagt, viele Fragen seien offen. Welche denn?

Merkel: Wenn Sie Ihre Handys tatsächlich einfach in meinem Vorzimmer gelassen haben, dann nützt das beim Thema Abhörbarkeit so noch gar nichts. Mich interessieren ansonsten die Fragen, ob zum Beispiel EU-Einrichtungen oder Botschaften abgehört wurden und werden und ob und in welchem Umfang Amerika die deutsche Telekommunikation kontrolliert oder nicht. Wir klären jetzt im Gespräch unter Verbündeten, was von der aktuellen Berichterstattung zutrifft und was nicht.


Bundesregierung, Pressemitteilung 23.10.2013:

Die Bundesregierung hat Informationen erhalten, dass das Mobiltelefon der Bundeskanzlerin möglicherweise durch amerikanische Dienste überwacht wird. Wir haben umgehend eine Anfrage an unsere amerikanischen Partner gerichtet und um sofortige und umfassende Aufklärung gebeten.
Die Bundeskanzlerin hat heute mit Präsident Obama telefoniert. Sie machte deutlich, dass sie solche Praktiken, wenn sich die Hinweise bewahrheiten sollten, unmissverständlich missbilligt und als völlig inakzeptabel ansieht. Unter engen Freunden und Partnern, wie es die Bundesrepublik Deutschland und die USA seit Jahrzehnten sind, dürfe es solche Überwachung der Kommunikation eines Regierungschefs nicht geben. Dies wäre ein gravierender Vertrauensbruch. Solche Praktiken müssten unverzüglich unterbunden werden.

Ähm, Frau Merkel .. Heißt das jetzt, dass Sie Ihre Sicherheitsfachleute rausschmeißen?
Vertrauen Sie immer noch den Behörden? Nach den Aussagen in Ihrem Interview scheint das nunmehr unmöglich, wie sollen dann wir Bürger darauf vertrauen, dass unsere Behörden uns vor Überwachung schützen?
Und: warum haben Sie also seit dem 11.07.2013 nicht das Gespräch mit den "Verbündeten" gesucht? Oder fand dasd Gespräch statt und Sie wurden dreist angelogen? So wie wir Bürger von Ihnen.
Vielleicht hätten Sie, liebe Chefin, einfach in Ihr Handy sprechen sollen, dass Sie nicht aggehört werden möchten ...

Ronald Pofalla (Knecht, Politclown von Angela Merkel), Pressestatement 12.08.2013:
"Die NSA hat uns schriftlich versichert, dass sie Recht und Gesetz in Deutschland einhält. Ich zitiere aus einem NSA-Papier, das uns zu den Gesprächen in Washington übermittelt worden ist: „"Die NSA hält sich an alle Abkommen, die mit der deutschen Bundesregierung, vertreten durch die deutschen Nachrichtendienste, geschlossen wurden, und hat sich auch in der Vergangenheit stets daran gehalten.“"
...
"Ich betone noch einmal: Selbstverständlich halten sich auch unsere Nachrichtendienste an Recht und Gesetz. Mit anderen Worten: Der amerikanische, der britische und die deutschen Nachrichtendienste bestätigen, dass sie in Deutschland geltendes Recht eingehalten haben."
...
"Was es gibt, ist eine Zusammenarbeit und eine Auswertung von Daten in ganz konkreten Einzelfällen, die unserer Sicherheit dienen und die unsere Sicherheit betreffen."

"Die US-Seite hat uns den Abschluss eines No-Spy-Abkommens angeboten. Ich habe deshalb den Präsidenten des Bundesnachrichtendienstes gebeten, dieses Angebot aufzugreifen und noch in diesem Monat mit den Verhandlungen zwischen dem BND und der NSA zu beginnen. BND-Präsident Schindler hat dazu bereits am vergangenen Freitag den Chef der NSA, General Alexander, angeschrieben. Ich will dieses Angebot der Amerikaner aus meiner Sicht auch an einer Stelle interpretieren. Dieses Angebot könnte uns niemals gemacht werden, wenn die Aussagen der Amerikaner, sich in Deutschland an Recht und Gesetz zu halten, nicht tatsächlich zutreffen wird."

Hey, Pofalla: Na, das No-Spy abkommen schon unterschrieben? Da habt ihr ja ein tolles Angenot von den sich an Recht und Gesetz haltenden Amerikanern bekommen. Da bleibt Dir wohl nichts anderes übrig, als die Unterschrift unter das Abkommen zu verweigern oder es aufzukündigen!

Notiz an die Chefin: Bitte das Sicherheitsfachpersonal UND Herrn Pofalla rausschmeißen!

Jäger und Sammler

Es gibt Leute die sind noch viel bekloppter als ich ...

Mittwoch, 15. Mai 2013

Da mein großer Bärnersennenhund (ja, ja, ist ja gut, Bernersennenhund) kürzlich Geburtstag hatte, hier mal ein Bild von ihm, als er noch ein kleiner Bär war ...


Dienstag, 14. Mai 2013

Ich bin doch noch ein fast jungfräulicher Blogger. Deshalb seht es mir bitte nach, falls ich hier mit großen Kulleraugen über Dinge aus der Blogwelt schreibe, die für euch schon ein alter Hut sind oder Kiki-Kram.

Seit einiger Zeit lese ich selber Blogs. Meistens sowas wie Bildblog, gerne auch DasNuf und natürlich vieles von Schriftstellerkollegen. Als meine Idee reifte, endlich mal einen eigenen Blog zu schreiben, habe ich mir  ganz bewusst noch viele Blogs mehr angesehen. Kopieren von den besten, Fehler vermeiden lernen von den schlechtesten.

Ich frage mich eigentlich immer: "Warum macht jemand etwas?" (ich hoffe jeder Schriftsteller fragt sich das ständig, ansonsten schreibt er besser lieber Betriebsanleitungen). Beim Lesen vieler Blogs kommt diese Frage dabei automatisch in mir hoch. Wovon werden diese Blogger getrieben? Sicherlich bei fast jedem, so wie bei mir auch, von einem Mitteilungsbedürfnis. Aber darüberhinaus? Ich habe gerade zwei Tabs mit Blogs offen, bei denen ich im Moment mal wieder total verwundert bin, wie unterschiedlich manche Menschen und ihre Ansichten zum Leben doch sein können. Auch wenn es nur Zufall ist, dass ich bei diesen zweien gelandet bin, müssen die Menschen dahinter diametral andere Einstellungen zum Leben haben.

Da ist zum einen die Bloggerin katharinathegreat, über deren beitrag "Piss auf Muttertag" ich gestolpert bin. Ein Artikel voller Wut, Zorn und einer ellenlangen Liste an Forderungen. Ob sie meinen Kommentar dazu freischaltet? Mal schauen. Auf jeden Fall ist ihr Text sehr aggressiv, genau wie ihre restlichen wenigen Beiträge. Über sie als Person erfährt man auf ihrem Blog leider nicht viel, nur dass sie Mutter von zwei kleinen Kindern ist. Schade. Ich wüßte gerne, warum sie so zornig ist.

Kurz danach bin ich auf den Blog von Emilia gestoßen. Emilia und die Detektive, so heißt der Blog. Ein schöner, literarischer Titel. Und wie sie selbst dort sagt: Sie ist auf der Suche nach den schönen Dingen im Leben. Es hat mir Spaß gemacht, mir ihre Fotos anzusehen, und auch sie hat einen Muttertagsartikel geschrieben, mit Rezeptvorschlag.

Ist es nicht der helle Wahnsinn, wie unterschiedlich diese zwei Frauen sind, wie sie den Muttertag sehen, und das Leben an sich? Die eine sucht das schöne, die andere ist mit vielem unzufrieden, scheint eher das schlechte zu suchen. Ich hoffe, Katharina sieht auch die schönen Dinge im Leben.

Ich glaube beides sind extreme und gute Beispiele für die Vielfalt von persönlichen Blogs. Und dafür, dass die Menschen völlig verschieden sein können. Ich wüßte gerne, warum sie es sind.

Vielleicht weiß ich dann auch mehr über mich.