Freitag, 1. November 2013

Mein perfektes Ende

Gibt es das perfekte Ende einer Geschichte, eines Romans, eines Films?
Hängt davon ab. Sowohl vom Genre, der Art und dem Ton der Erzählung, als auch vom Autor selbst und nicht zuletzt vom Leser beziehungsweise Zuschauer.
Es wird sicherllich viele Leser geben, die einfach ein Happyend brauchen. Man taucht schließlich in Phantasiewelten ab, um dabei auf Zeit seiner eigenen, manchmal vielleicht aauch tristen Reallität zu entfliehen. Manche bleiben dabei nahe an der "realen Welt", lesen Tatsachenromane, vielleicht auch historisches. In diesem Bereich dürften auch die meisten realistischen, das heißt nicht immer gut ausgehenden Enden anzufinden sein.
Anders sieht dies schon in der Kriminalliteratur aus: Bleiben auch unterwegs viele Opfer auf der Strecke, so muss doch am Ende der Täter überführt sein. Auch in Science-Fiction-Werken finden sich öfter optimistische Schlußszenen, als dass die Helden sterben.
Fiese Horrorwerke können hingegen gerne mal mit einem Überleben oder Wiederauferstehen des Antagonisten aufhören.

Neben dem Genre ist aber auch der Tonfall der Erzählung maßgebend: Einer locker-flockigen, lustigen Geschichte (Chick-Lit?) würde ohne Happyend ihre ganze Fröhlichkeit genommen, eine beissende Satire hingegen schreit meiner Meinung nach nach etwas anderem. Einem gut gelaunten Tritt in die Magengrube des Lesers.

Ich selbst, als Leser und als Autor, bin (von wenigen Ausnahmen abgesehen)  kein Freund von Happyends, bei denen alles gut ausgeht und alles abgeschlossen ist. Ist es nicht reizvoller, wenn die Helden auch mal scheitern? Das Böse gewinnt? Oder, noch besser in meinen Augen, wenn nicht alles abgeschlossen ist, sondern zwar erkennbar ist, dass der Kernaspekt der Geschichte vorbei ist, aber es für die Protagonisten noch weitergeht? Dass noch viel mehr passieren kann? Dann kann meine Phantasie nämlich die Geschichte weiterspinnen, sich noch tage- und wochenlang damit beschäftigen und träumen. Das offene Ende ist somit ganz eindeutig MEIN perfektes Ende. Aber nur dann, wenn man trotzdem das Gefühl hat, es sei etwas zum Abschluss gebracht worden, ein zentraler Teil (aber eben nur ein Teil) der Geschichte. Aber ich befürchte, die wenigsten Zuschauer und Leser sehen das genauso wie ich.

Daher, liebe Leser würde mich sehr interessieren, wie ihr das seht. Ich würde mich über Feedback in den Kommentaren sehr freuen, welche Bücher oder Filme eurer Meinung nach die perfekten Enden haben.

Meine Beispiele dafür, die ich gerade im Kopf habe: Die Verfilmung der Stephen King-Geschichte "Der Nebel" (ich war noch tagelang herrlich niedergeschlagen beim Gedanken daran). Und neulich habe ich "The Grey" gesehen. Ich war fasziniert von der Idee, den finalen Kampf von Liam Neeson gegen den Leitwolf eben NICHT mehr zu zeigen, ich war hin und weg! Und ich wette, genau das hat viele enttäuscht ...

2 Kommentare:

  1. Das stimmt, die Leser wollen immer alles ganz zuende verdaut bekommen. Ich persönlich mag es ganz gerne, wenn Raum für eigene Interpretationen gibt. Letztlich gibt es ja auch kein wirkliches "Ende", man greift sich auf einem langen Erzählstrom einen Ausschnitt heraus und hört irgendwann wieder auf... Ein Anfang ist eine Ende und umgekehrt. Haha, jetzt wurde es aber philosophisch. Ich liebe das Ende von "Out of Africa".

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  2. Liebe Tanja, danke für deinen Kommentar! Das mit dem Ausschnitt gefällt mir gut, das trifft meine eigene Ansicht. Jedes Ende ist der ANfang von etwas neuem ;-)

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